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Geschichte

Gäbe es die Möglichkeit, die Zeit um fünfzig Jahre zurück zu drehen, so befänden wir uns inmitten weitläufiger Rieselfelder, die von Marzahner Bauern auch zum Gemüseanbau genutzt wurden, durchzogen von einer Eisenbahnlinie, aber noch fern jeglicher Besiedelung. Hier zur Geschichtsbroschüre

Im Gegensatz zu den im südlichen Teil des Bezirkes gelegenen Stadtteilen wie Biesdorf, Kaulsdorf oder Mahlsdorf, in denen bereits Ende des 19. Jahrhunderts vorstädtische Siedlungen mit Wochenendhäusern und Villen sowie ein wenig später die so genannten "Stadtrandsiedlungen" entstanden, war unser Quartier hier noch lange Zeit "Niemandsland". Das änderte sich erst mit dem Vorhaben, hier in Marzahn eine Großsiedlung zu errichten, um den großen Mangel an Wohnungen, den es in der DDR und speziell auch in der Hauptstadt Berlin gab, zu beseitigen.

1971 wurde auf dem VIII. Parteitag der SED beschlossen, die "Wohnungsfrage als soziales Problem" bis zum Jahr 1990 zu lösen. Überall in der DDR entstanden große Siedlungen, die größte ab 1976 in Marzahn, damals noch Teil von Lichtenberg. Erst 1979 wurde Marzahn eigener Stadtbezirk.

Unser Quartier bildete als "Viertel an den Ringkolonnaden" zusammen mit den Siedlungsteilen nördlich der heutigen Mehrower Allee, östlich des Bürgerparks und südlich bis hin zur heutigen Landsberger Allee das Baugebiet "Marzahn 3". Allein in diesem 3. Baugebiet, später auch als 3. Wohngebiet bezeichnet, entstanden zwischen 1979 und 1986 genau 21.395 Wohnungen, in denen fast 50.000 Menschen lebten - fast so viele wie in Stralsund, Görlitz oder auch Passau.

Um diese enorme Anzahl an Wohnungen in verhältnismäßig kurzer Zeit errichten zu können, wurde auf die industriell gestützte Plattenbauweise mit normierten Betonfertigplatten zurückgegriffen. Wortwörtlich aus dem Nichts entstanden die 5- bis 21-geschossigen Wohngebäude, wurde Boden in Größenordnungen versiegelt, Pfuhle zugeschüttet und unterirdische Versorgungsschächte installiert.

Aber dennoch bestimmen - wenn man genauer hinschaute - nicht Monotonie und Eintönigkeit in so hohem Maße wie andernorts das Antlitz unseres Quartiers. Die Konzeption für unser Viertel zwischen Raoul-Wallenberg-Straße (früher Bruno-Leuschner-Straße) und Mehrower Allee (früher Otto-Winzer-Straße) orientierte sich stark am Ideal der klassischen Moderne mit dem Leitmotiv "Licht, Luft und Sonne für alle Bewohner". In der Planung wurde in diesem Zusammenhang von "offenen, durchgrünten Stadtlandschaften, in denen die traditionelle Blockrandbebauung zu Gunsten einer aufgelockerten Anordnung der Gebäude aufgegeben wird", gesprochen. Ein Umstand, der uns heute zu Gute kommt und ein entscheidendes Potenzial für die Zukunft unseres Viertels als grünes Quartier darstellt.

Nachdem der Bauprozess im Jahr 1986 beendet war, erreichte die Einwohnerzahl in den darauffolgenden drei Jahren ihren Höchststand: Viele junge Familien fanden im Quartier ein neues Zuhause. Auch die Infrastruktur entwickelte sich im Großen und Ganzen der Bevölkerung entsprechend: Es entstanden zahlreiche Kindertagesstätten, Schulen und Jugendclubs. Bereits 1980 fuhr die erste S-Bahn.
Eine Zäsur in der Entwicklung ergab sich nach dem Mauerfall 1990: Jetzt gab es andere Möglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt, z.B. sanierte Altbauten in der Innenstadt oder das eigene Haus im Grünen. Viele verließen Berlin gänzlich, weil sie nur anderswo neue Beschäftigung finden konnten. Dennoch sind viele Erstbewohnerinnen und Erstbewohner dem Quartier treu geblieben, weil sie sich hier wohlfühlten. Und es kamen - zumindest anfangs - auch ausreichend neue Bewohnerinnen und Bewohner her.

Die Wohnungen, die Häuser und das Wohnumfeld wurden seit Anfang der 1990er Jahre fast komplett saniert und neu gestaltet. Das verbesserte die Energiebilanz der Gebäude und machte den Stadtteil bunter und grüner. Doch auch diese Maßnahmen konnten weitere Wegzüge von Marzahnerinnen und Marzahnern nicht verhindern. Und so nahm der Leerstand an Wohnungen zu. Wohnungen, die man nicht mehr brauchte, wurden zurückgebaut. Häuser und Grundrisse wurden verkleinert, verändert oder mussten ganz abgerissen werden. Für einige Flächen wurden teilweise sehr innovative Lösungen gefunden, für andere werden noch neue Ideen gesucht. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage von Mietinteressenten wieder. Der Leerstand liegt inzwischen bei ca. 3%.

Text: Julian Krischan, bearb. W+P GmbH